Aktualisiert: April 2026

Kein spezifisches Gesetz regelt in der Schweiz, was ein Praktikum ist oder wie es vergütet werden muss. Das klingt nach einem Nachteil : eröffnet aber auch Flexibilität. Die relevante Rechtsgrundlage ist das Obligationenrecht (OR), das auf alle Arbeitsverhältnisse anwendbar ist, die einem Arbeitsvertrag entsprechen. Praktikantinnen und Praktikanten, die echte Arbeitsleistung erbringen, sind damit in der Regel als Arbeitnehmende einzustufen : unabhängig davon, wie die Stelle bezeichnet wird.

Das Wichtigste
  • Pflichtpraktika (schulisch vorgeschrieben) können unbezahlt oder minimal entlöhnt sein
  • Freiwilligenpraktika mit echter Arbeitsleistung sollten vergütet werden : das OR ist anwendbar
  • Grosse Schweizer Firmen zahlen CHF 2'500–4'000 pro Monat für Bachelor- und Masterpraktika
  • BVG-Unterstellung ab einem Jahreslohn über CHF 22'680 (Eintrittsschwelle 2026)
  • Typische Dauer: 3–6 Monate; viele grosse Firmen haben strukturierte Programme
  • Konversionsrate in Festanstellungen bei Grosskunden-Firmen häufig 30–60 %

Pflichtpraktikum versus Freiwilligenpraktikum: Der rechtliche Unterschied

Die Schweizer Rechtspraxis unterscheidet zwischen zwei Grundtypen. Das Pflichtpraktikum ist Bestandteil einer schulischen oder universitären Ausbildung : etwa das obligatorische Betriebspraktikum im Rahmen eines FH-Studiums oder eines Gymnasialprogramms. Hier steht der Lernzweck im Vordergrund, und die Entlöhnung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch zahlen viele Unternehmen auch in diesem Fall eine kleine Entschädigung (CHF 500–1'200 pro Monat), um Kandidatinnen und Kandidaten anzuziehen und die Lebenshaltungskosten abzudecken.

Ganz anders verhält es sich beim Freiwilligenpraktikum: Wer nach dem Studienabschluss ein unbezahltes oder symbolisch entlöhntes Praktikum antritt, befindet sich faktisch in einem Arbeitsverhältnis. Das OR greift, wenn eine Person weisungsgebunden, zeitlich gebunden und gegen Entgelt tätig ist. Unbezahlte „Praktika" von mehreren Monaten Dauer, die de facto Vollzeitbeschäftigung darstellen, können rechtlich als normale Arbeitsverträge qualifiziert werden : mit allen Folgen für Lohnnachzahlungen, Sozialversicherungsbeiträge und Kündigungsschutz. Solche Fälle sind in der Schweiz selten, aber Präzedenzurteile existieren.

Gesamtarbeitsverträge (GAV) in bestimmten Branchen : etwa dem Gastgewerbe oder dem Detailhandel : enthalten zuweilen Mindestlohnregelungen, die ausdrücklich auch für Praktikantinnen und Praktikanten gelten. Wer in einem GAV-unterstellten Betrieb praktiziert, hat Anspruch auf diese Mindestbedingungen.

Was grosse Schweizer Firmen bezahlen

Die Vergütungslandschaft für Praktika ist stark zweigeteilt: Grossunternehmen zahlen substanziell, kleinere Betriebe oft deutlich weniger oder gar nichts.

Roche und Novartis gehören zu den attraktivsten Praktikumsgebern in der Schweiz. Beide Unternehmen bieten strukturierte Programme für Bachelor- und Masterstudentinnen und -studenten mit Vergütungen zwischen CHF 2'800 und CHF 4'000 pro Monat : abhängig vom Studienstand und der Funktion. UBS zahlt für Praktika im Investment Banking und im Asset Management in ähnlichen Bereichen, teils ergänzt durch eine Pro-rata-Beteiligung an Bonusprogrammen. McKinsey und andere Strategieberatungen vergüten Praktika auf Bachelorniveau mit rund CHF 3'000–3'500 monatlich, auf Masterniveau mit bis zu CHF 4'000. Nestlé, ABB und Zurich Insurance liegen in einem ähnlichen Rahmen.

Kleinere Unternehmen, Startups und gemeinnützige Organisationen zahlen dagegen häufig CHF 800–1'500 monatlich, manchmal weniger. Diese Diskrepanz ist relevant für die Entscheidung, welches Praktikum man annimmt: Ein gut entlöhntes Praktikum bei einem grossen Unternehmen deckt die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Basel (Miete, Krankenkasse, Lebenshaltung) realistisch ab, ein symbolisches Stipendium nicht.

Sozialversicherungen und BVG im Praktikum

Auch Praktikantinnen und Praktikanten sind in der Schweiz ab dem ersten Lohnfranken AHV/IV/EO-pflichtig. Die Beiträge werden hälftig zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden geteilt (Arbeitnehmeranteil ca. 5,3 % des Bruttolohns). Wer weniger als CHF 750 im Monat verdient, kann von der Beitragspflicht befreit sein (Jugendliche bis 25 Jahre unter Geringfügigkeitsgrenze).

Die BVG-Eintrittsschwelle liegt 2026 bei CHF 22'680 Jahreslohn. Wer als Praktikant mehr als diesen Betrag verdient (also mehr als CHF 1'890 pro Monat), ist grundsätzlich dem BVG unterstellt und hat Anspruch auf berufliche Vorsorge über die Pensionskasse des Unternehmens. In der Praxis führen viele Unternehmen Praktikantinnen und Praktikanten nur dann in die Pensionskasse auf, wenn das Jahresverhältnis die Schwelle überschreitet : bei 3-monatigen Praktika ist das bei monatlich CHF 2'500 noch nicht automatisch der Fall, wenn der auf ein Jahr hochgerechnete Lohn unter der Schwelle bleibt.

Unfallversicherung nach UVG ist für alle Arbeitnehmenden, die mehr als 8 Stunden pro Woche beschäftigt sind, durch den Arbeitgebenden zu decken : das gilt auch für Praktikantinnen und Praktikanten. Krankenkasse (Grundversicherung, KVG) müssen Praktikantinnen und Praktikanten selbst bezahlen : hier keine Änderung gegenüber dem Arbeitnehmerrecht.

Wo man Praktika in der Schweiz findet

Die firmeneigenen Karriereseiten sind für grosse Unternehmen der wichtigste Kanal: Roche, Novartis, UBS, McKinsey, Nestlé und ABB schreiben ihre Praktikumsprogramme primär auf ihrer eigenen Website aus : oft mit festen Bewerbungsfristen (z.B. für Sommerpraktika bereits im Herbst des Vorjahres). Wer diese Fristen verpasst, hat oft keine zweite Chance im gleichen Zyklus.

LinkedIn ist zunehmend die wichtigste übergreifende Plattform für Praktikumsausschreibungen. Der Vorteil: Man kann direkt sehen, ob Kontakte aus dem eigenen Netzwerk im Unternehmen arbeiten, und eine Empfehlung anfragen. Die Hochschul-Career-Services der ETH Zürich, der Universität Zürich, der HSG und der EPFL pflegen eigene Stellenbörsen, die auch Praktikumsangebote enthalten : mit dem Vorteil, dass diese Unternehmen gezielt Abgängerinnen und Abgänger dieser Institutionen ansprechen.

AIES (Association Internationale des Étudiants en Sciences Économiques et Commerciales) und ähnliche Studentenorganisationen vermitteln Praktika und bieten Netzwerkzugänge. Für internationale Studierende ist ausserdem relevant, dass für ein Praktikum in der Regel eine gültige Aufenthaltsbewilligung erforderlich ist : EU/EFTA-Angehörige haben dabei deutlich einfacheren Zugang als Drittstaatangehörige.

Vom Praktikum zur Festanstellung

Viele grosse Schweizer Unternehmen betreiben ihre Praktikumsprogramme explizit als Rekrutierungskanal. Die Konversionsrate : also der Anteil von Praktikantinnen und Praktikanten, denen anschliessend eine Festanstellung angeboten wird : liegt bei Unternehmen wie McKinsey, UBS oder Roche häufig zwischen 30 und 60 Prozent, manchmal höher. Das ist deutlich über dem, was eine externe Bewerbung statistisch erreicht.

Der Aufbau eines internen Netzwerks während des Praktikums ist der entscheidende Faktor: Wer während drei bis sechs Monaten sichtbar gute Arbeit leistet, mit verschiedenen Teams interagiert und gegen Ende konkrete Gesprächsbereitschaft signalisiert, hat gute Chancen. Ein proaktives Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten über Karriereperspektiven im Unternehmen : idealerweise vier bis sechs Wochen vor Ende des Praktikums : ist sinnvoller als abzuwarten, bis jemand anderes das Thema anspricht.

Auch wenn keine direkte Übernahme erfolgt, bleibt eine positive Referenz des Unternehmens für spätere Bewerbungen wertvoll. In einem kleinen Markt wie der Schweiz, wo Netzwerke eng sind, kann ein ehemaliger Vorgesetzter bei Roche oder UBS Jahre später für eine Empfehlung entscheidend sein.

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Häufig gestellte Fragen

Werden Praktika in der Schweiz bezahlt?

Das hängt vom Typ ab. Pflichtpraktika im Rahmen einer Ausbildung können unbezahlt sein. Freiwilligenpraktika, die echte Arbeitsleistung beinhalten, sollten vergütet werden : das Obligationenrecht (OR) ist anwendbar. In der Praxis zahlen grosse Schweizer Unternehmen CHF 2'500–4'000 pro Monat; kleinere Betriebe und Startups weniger. Völlig unbezahlte Praktika von mehreren Monaten Dauer können rechtlich als reguläre Arbeitsverhältnisse qualifiziert werden.

Was ist ein typisches Praktikumsgehalt in der Schweiz?

Grosse Firmen wie Roche, Novartis, UBS und McKinsey zahlen CHF 2'800–4'000 pro Monat. Kleinere Unternehmen liegen häufig bei CHF 800–1'500 monatlich. Pflichtpraktika für Schulabgängerinnen und -abgänger werden manchmal mit CHF 500–1'200 entschädigt. Ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität in der Schweiz: Die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Basel erfordern mindestens CHF 2'000–2'500 monatlich für ein bescheidenes Budget.

Haben Praktikantinnen und Praktikanten die gleichen Rechte wie Angestellte?

Wenn ein Praktikum faktisch einem Arbeitsverhältnis entspricht : also weisungsgebundene, regelmässige Arbeitsleistung gegen Entgelt :, sind die OR-Bestimmungen anwendbar. Das umfasst Kündigungsfristen, Ferienanspruch (mindestens 4 Wochen pro Jahr), Sperrfristen bei Krankheit sowie AHV/UVG-Abdeckung. Pflichtpraktika im schulischen Kontext folgen anderen Regeln. GAV-Mindestlöhne gelten, wenn das Unternehmen einem allgemeinverbindlich erklärten GAV unterstellt ist.

Wie führt ein Praktikum zu einer Festanstellung bei Roche oder Novartis?

Roche und Novartis haben strukturierte Praktikumsprogramme, die als Rekrutierungskanal dienen. Entscheidend ist, während des Praktikums intern sichtbar zu sein: gute Arbeit leisten, mit verschiedenen Teams interagieren und vier bis sechs Wochen vor Ende das Gespräch über Karriereperspektiven suchen. Die Konversionsrate liegt bei grossen Unternehmen häufig bei 30–60 %. Auch ohne direkte Übernahme bleibt die interne Referenz für spätere externe Bewerbungen wertvoll.